00f502d02800659cfb4f787dda538d4c_w700_h462_cp missio München - Europas Türsteher in Afrika

Flucht und Vertreibung – Damit es möglichst wenig afrikanische Migranten über das Mittelmeer nach Europa schaffen, investieren die EU-Staaten Milliardenbeträge in Grenzsicherung – und arbeiten dabei mit dubiosen Regimen in Ländern wie Sudan, Eritrea und Libyen zusammen. Ein Gastbeitrag von Simone Schlindwein für das missio magazin 2/2018:

"INVESTIEREN IN DIE JUGEND für eine nachhaltige Zukunft“ – so lautete das Motto des 5. EU-Afrika-Gipfels Ende November 2017 an der Elfenbeinküste. Es sollte die Frage diskutiert werden, wie sich die Chancen für Afrikas Jugend erhöhen lassen, sich zu Hause eine Zukunft aufzubauen anstatt sich auf den mühsamen und gefährlichen Weg nach Europa zumachen.

Doch wie es der  afrikanischen Jugend wirklich geht, das zeigte sich in den internationalen Schlagzeilen einige Tage vor dem Gipfel: Auf einem Sklavenmarkt im Bürgerkriegsland Libyen verschachern Milizionäre junge afrikanische Männer und Frauen wie Waren zu Dumpingpreisen. Fotos zeugen von grausamen Menschenrechtsverbrechen. Der Aufschrei auf dem afrikanischen Kontinent war groß: Vom Sklavenmarkt des 21. Jahrhunderts war da die Rede.

Die Reaktionen in Europa hingegen verhalten, fast ignorant. Kanzlerin Merkel kommentierte: Die Bilder der Sklavenauktion in Libyen habe eine "hohe emotionale Bedeutung für die Afrikaner". Daraus ergebe sich ein gemeinsames Interesse: nämlich die illegale Migration zu stoppen. Das klang fast zynisch. Die Gegenreaktion kam dann prompt: Die Regierungschefs von Ruanda und Nigeria kündeten an, sie wollen Flugzeuge nach Libyen schicken, um die Afrikaner zu befreien – nicht nur eine Geste der Solidarität, sondern ein gekonnter Propaganda-Schachzug gegen die EU, die in den Augen der Afrikaner die Schuld an diesen Entwicklungen trägt, indem sie ihre Festung vor Migranten verschließt.

Die Interessen sind grundverschieden

 vergrößernSimone Schlindwein arbeitet als Korrespondentin für Ostafrika und lebt in Uganda. Sie ist Mit-Autorin des Buches "Diktatoren als Türsteher Europas". Simone Schlindwein

Tiefer kann die Spaltung zwischen der EU und ihrem direkten Nachbarkontinent Afrika kaum sein, das zeigte sich an der Elfenbeinküste deutlich. Doch wenn Beobachter nun sagen, der Gipfel habe keine konkreten Ergebnisse erzielt, dann stimmt das nur so halb. Das zentrale Ergebnis dieser Verhandlungsrunde ist: Die Interessen der Afrikaner und diejenigen der Europäer sind grundlegend verschieden und solange sich diese nicht überlappen, wird es keine Partnerschaft auf Augenhöhe geben.

Denn die Europäer wollen die EU vor afrikanischen Migranten schützen und dafür Grenzregime auf dem Kontinent stärken, die die Wanderung in Richtung Mittelmeer unterbinden. Die Afrikaner wollen hingegen alle Grenzen auf dem Kontinent abschaffen, Migration als Entwicklungsmotor fördern. Nun bemüht sich die EU unter Einsatz all ihrer geballten wirtschaftlichen, finanziellen und gar militärischen Macht, ihre Interessen dennoch durchzusetzen.

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