Kardinal Souraphiel; Foto: Jörg Böthling

Mit großer Freude hat das internationale katholische Missionswerk missio München auf die Vergabe des Friedensnobelpreises an den äthiopischen Premierminister Abiy Ahmed reagiert. missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber sagt: „Ich bin hocherfreut, dass die mutige Friedensarbeit von Abiy Ahmed in Äthiopien belohnt wird. Man sieht: Afrika ist nicht nur der Kontinent der Kriege und Krisen. Frieden und Versöhnung sind möglich.“

missio-Präsident Monsignore Huber hat Äthiopien vergangenes Jahr mehrfach bereist. Der Nobelpreis sei eine Ermutigung, am eingeschlagenen Reformkurs festzuhalten: „Jetzt gilt es, die äthiopische Regierung auf diesem Weg weiter zu unterstützen, denn gerade die Situation in der Grenzregion zu Eritrea ist nach wie vor sehr schwierig. Hier wird auch die katholische Kirche von Äthiopien ein entscheidender Faktor sein. Obwohl zahlenmäßig klein, hat sie den Friedensprozess von Anfang an begleitet.“

Kardinal Berhaneyesus Souraphiel, der Erzbischof von Addis Abeba und langjähriger missio-Projekt­partner, wurde von Abiy Ahmed im Februar 2019 zum Koordinator einer nationalen Kommission für Frieden und Versöhnung berufen. Ziel der Kommission ist es, die Folgen des jahrzehntelangen Konflikts mit dem Nachbarland Eritrea aufzuarbeiten, erneuten Spannungen vorzubeugen und die Einheit Äthiopiens zu fördern.

Pater Petros Berga, Koordinator der pastoralen Arbeit der Erzdiözese Addis Abeba und engster Mitarbei­ter von Kardinal Souraphiel, erklärt gegenüber missio München: „Wir Äthiopier sind alle sehr glücklich über die Vergabe des Friedensnobelpreises an Abiy Ahmed. Seine Kernbotschaft ist, dass Einheit in Viel­falt möglich ist. Das ist für unser Land in meinen Augen die Botschaft, die uns in die Zukunft führt. Abiy Ahmed ist es gelungen, die Streitigkeiten zwischen den politischen Parteien zu befrieden, indem er sie an einen Tisch gebracht hat. Wo andere mit Waffen ihre Interessen verfolgen, geht er den Weg des Ausgleichs und des Dialogs.

Dass er der katholischen Kirche eine derart wichtige Rolle in der Friedensarbeit gibt, ist einzigartig. Die nächste große Herausforderung sind jetzt die bevorstehenden Wahlen. Wenn es gelingt, dass sie demo­kratisch und nach internationalen Standards verlaufen, kann Äthiopien ein Beispiel für ganz Afrika sein. Das ist ein entscheidender Moment, denn wenn wir darin versagen, dann wird der Kurs kaum fortzu­setzen sein.“

**** Dem Thema Frieden zwischen Äthiopien und Eritrea hat das missio magazin im vergangenen Jahr eine große Reportage gewidmet. Anlass für die Reise war, dass Äthiopien Beispielland für den Weltmissionssonntag 2018 war. ****

Foto: Bundesminister Dr. Gerd Müller und Premierminister Abiy Ahmed bei einem Treffen in Äthiopien; Urheberin: Ute Grabowsky/photothek.net

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