Aktion furchtlos - Vinzentinerpater Danny Pilario hilft während der Corona-Pandemie den Armen in Payatas, Philippinen, mit Lebensmittelpaketen.

Pater Danny Pilario setzt sich auf den Philippinen mutig für die Rechte und Belange der ,,most vulnerable" - der Verwundbarsten - ein. Er kennt den Kampf ums tägli­che Überleben. Seit Jahren kümmert sich der Vinzenti­nerpater im Großraum Manila um die Menschen im Armenviertel Payatas. Sie leben hier vor allem vom Sammeln und Sortieren von Müll, vom Straßenhandel und vom Motorradtaxi fahren.

"Das Leben in Payatas ist hart", fasst "Father Danny" die Situation zusammen. Furchtlos steht er den Menschen hier zur Seite. Offen wendet er sich ge­gen die Politik des philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte, der mit seinem Amtsantritt im Jahr 2016 einen grausamen Anti-Drogen-Krieg gegen die Ärmsten be­gonnen hat. Seinen Polizisten hat Duterte eine Art Freifahrtschein gegeben, vermeintliche Drogendealer und Kleinkriminelle auf der Stelle hinzurichten. Tausende Verdächtige wurden bereits getötet. Auch in Payatas hat es viele Familien getroffen. Regelmäßig veranstaltet der 58-Jährige im Gemeindehaus der kleinen Pfarrei Jnang Lu­pang Pangako mit einem Team aus Psychologen und So­zialarbeitern Treffen für Hinterbliebene, gibt ihnen Halt und finanzielle Unterstützung.

Verhängnisvolle Maßnahmen

"Viele haben geglaubt, es könnte sie nicht noch schlim­mer treffen - doch dann kam Corona", erzählt Father Danny. Mitte März wurden auf den Philippinen strenge Quarantänemaßnahrnen beschlossen, die nur den Weg zum Einkaufen und zur Arbeit erlaubten. Viele in Payatas haben ihre Gelegenheitsjobs verloren. Bauarbeiten wurden eingestellt und die vielen kleinen Recycling-Läden, in denen man für sortierten Müll ein paar Centavos dazu­verdienen konnte, blieben für Wochen geschlossen. "Ei­nige wissen gerade nicht, wie sie die nächste Mahlzeit für ihre Familie bezahlen sollen", sagt Father Danny. ,,Ich habe schon viele sagen hören, sie würden lieber an Corona sterben, als dass sie ihre Kinder verhungern lassen."

Hinzu kommt eine neue blutige Ansage des Präsidenten: Wer sich nicht an die Ausgangsbeschränkungen hält, darf erschossen werden. "Seitdem herrscht noch mehr Angst vor Polizeiwillkür als bisher schon", berichtet Danny. Um spontan zu helfen, organisiert der Vinzentinerpater gemeinsam mit seinen Mitbrüdern tägliche Essens­ausgaben: "Vincent helps" heißt ihr Projekt. Sie verteilen Lebensmittel­pakete sowie Grundnahrungsmittcl an hunderte Familien. "Wir hoffen, die Menschen schaffen es, die Maßnahmen zu überstehen und gleichzeitig gesund zu bleiben", betont Pilario. Die Gefahr besteht, dass es zu Plünderungen kommt. Wenn die Not zu groß wird, ho­len sich die Menschcn einfach mit Gewalt, was sie zum Überleben brauchen. Das müssen wir unbedingt verhin­dern."

Doch noch ist der Durchhaltewille der Menschen in Payata, groß, Father Danny ist beeindruckt von der Hilfsbereitschaft, mit der sich die Familien gegenseitig un­ter die Arme greifen. "Keiner lässt den anderen hier im Stich", sagt er. Beste Beispiele sind für ihn die Witwen der Pfarrei lnang Lupang Pangako: Seit einigen Wochen nähen sie Masken und Schutzkleidung für Gesundheitsstationen in der Umgebung. "Jetzt sind sie es, die ihre Familien unterstützen."


Text: Antje Pöhner

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