3a38cc709569ccd64f3c376af897e2ac_w1170_h600_cp missio München - „Engagierte Frauen leiden“

Die Zweifel sind ihr anzusehen. „Im Galather-Brief 3,28 steht: Ihr alle seid eins in Christus“, sagt Schwester Susanne Schneider und runzelt die Stirn. Aber ob sie sich immer eins mit anderen fühlt? „Unsere Gesellschaft ist erzogen, dass optimale Kirche aus dem Pfarrer und demBischof besteht“, konstatiert sie. Auch sie habe das lange hingenommen, bis sie auf Widerstände und Geringschätzung stieß. Als Gemeindereferentin vertrat sie einmal den örtlichen Pfarrer bei der Krankenkommunion. „Besser Sie als nichts“, schallte ihr damals entgegen. Da machte sie sich die Frauen in der Kirche zum Thema.

Heute arbeitet Schwester Susanne Schneider als Referentin in der Erwachsenenbildung für Frauenseelsorge bei missio München und engagiert sich beim katholischen Frauenbund. 2019 wurde sie zudem in die Frauenkommission der Erzdiözese München und Freising gewählt. Vielerorts trifft sie auf Gleichgesinnte, die sich und ihren Einsatz für die Kirche nicht angemessen repräsentiert sehen. Ein historisches Problem, denn: „Wer kennt die Leistungen der Dorothee von Flüe?“, fragt Schwester Susanne Schneider. „Speziell in der Kirche werden Frauen seit jeher oft ausschließlich in ihrer Funktion als Ehefrau oder Mutter dargestellt.“

Dabei leiden nach Schneider heute vor allem engagierte Frauen unter der Männerzentriertheit der Kirche. Mit einigen von ihnen rief sie daher eine Gottesdienst-Reihe ins Leben: Einmal im Monat findet in der Jesuitenkirche St. Michael in München eine heilige Messe statt, die bedeutende christliche Frauen sowie wichtige Frauenthemen würdigt – gestaltet wird diese von Theologinnen und engagierten Laien.

Es geht nicht um Macht – sondern um Beteiligung

Freilich ist in Deutschland Bewegung in das Thema „Frauen in der Kirche“ gekommen. Programme wie „Kirche im Mentoring“ bilden Frauen dazu aus, in Leitungspositionen aufzusteigen. Und der Synodale Weg sieht vor, über „Frauen in Ämtern und Diensten der Kirche“ zu diskutieren. Für Schwester Susanne Schneider aber ist klar: „De facto liegen die Argumente seit 40 Jahren auf dem Tisch. Wir müssen uns der grundsätzlichen Frage stellen, wie wir Frauen beteiligen können. Und da das bei uns nur über das Amt geht, müssen wir über das Amt nachdenken.“

Mit dem Vorwurf, sich als Opfer zu stilisieren und dabei ihre Situation zu instrumentalisieren, um Frauen mehr Macht zu ermöglichen, wurde Schwester Susanne Schneider schon oft konfrontiert. Sie hält dann die Geschichte einer Krankenhausseelsorgerin entgegen, die den Todkranken Trost spendete, Kraft schenkte und sie bis auf den letzten Tag begleitete. Die Krankensalbung aber blieb einem Priester vorbehalten, der kurz hereinschneite, um das Sakrament zu spenden und sich dann sofort auf den Weg zum nächsten machte. „Solche Beispiele müssten untere Würdenträger hören“, sagt Schwester Susanne Schneider nachdenklich.

„Mein Traum wäre es, wenn Kulturen, Nationen, Geschlechter und sexuelle Orientierung keine Rolle spielten“, resümiert sie. Dann wären für sie wirklich alle eins in Christus.

 

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