42e2ac9b5e8b6d9806d6e68dc562c156_w1170_h600_cp missio München - Internet-Hetze gegen indischen Jesuiten – "Sogar in München organisiert sich der radikale Hindu-Fundamentalismus"

Wegen einer Hetzkampagne in sozialen Medien hat der vielfach international ausgezeichnete indische Tänzer und Jesuit Pater Dr. Saju George Moolamthuruthil einen öffentlichen Auftritt in München abgesagt. Der Jesuit, der regelmäßig in Deutschland auftritt, hätte am Donnerstag (4. Juli) in einem Münchner Museum getanzt, sah sich aber gezwungen, die von einem in München ansässi­gen Verein organisierte Veranstaltung aufgrund der Internet-Hetze abzusagen.

Organisiert wird die Kampagne von einer Gruppe, die über die Petitionsplattform change.org eine Unter­schriftenaktion gegen den Priester gestartet hat. In einer Erklärung bezeichnet sie Sajus Tanzkunst als "betrügerischen Versuch christlicher Evangelisierung durch den Missbrauch einer hinduistischen Kunst­form". Der klassische indische Tanz Bharata Natyam sei "mit der christlichen Theologie unvereinbar" und kein geeignetes Medium für interreligiösen Dialog.

Pater Saju fürchtet wegen der Anschuldigungen der Hindu-Fundamentalisten zwar nicht um seine persön­liche Sicherheit in Deutschland, hält die Situation aber für "bedrohlich" und spricht von "Erpressung". "Diese Leute wollen verhindern, dass sich unterschiedliche Kulturen auf einer spirituellen, künstleri­schen und intellektuellen Ebene begegnen und austauschen. Sie behaupten, ich wolle Menschen zum Christentum bekehren, was einfach nicht stimmt“, sagt der Geistliche, der in einem Armenvorort von Kalkutta Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien unterrichtet.

Wachsender Hindu-Fundamentalismus

Er sieht den wachsenden Hindu-Fundamentalismus mit großer Sorge: „In Indien stehen religiöse Minder­heiten wie Christen und Muslime unter immer stärkerem Druck und es kommt mit trauriger Regelmä­ßigkeit zu entsetzlichen Übergriffen. Besorgniserregend ist, dass sich hindu-fundamentalistische Kräfte auch in der westlichen Welt organisieren, sogar in Deutschland.

Pater Klaus Väthröder, Leiter der Jesuitenmission Deutschland, kritisiert "Intoleranz und religiösen Extremismus" der Kampagnenführer: "Mit ihren Hassbotschaften zeigen sie uns den Grund, warum die Arbeit und die Botschaft von Pater Saju so wichtig sind, nämlich Menschen unterschiedlicher Kulturen und Glaubensrichtungen zusammenzubringen."

Ablehnung und Hass "extrem bedenklich"

Erhöhte Wachsamkeit angesichts der Radikalisierung fordert auch missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber: "Etliche unserer Projektpartner in Indien berichten uns von einer immer kritischeren Situation für die christliche Bevölkerung. Dass sich Ablehnung und Hass nun auch in München manifestieren, werte ich als extrem bedenklich." missio München und die Jesuitenmission, Hilfswerk der Deutschen Provinz der Jesuiten, sind Pater Saju seit vielen Jahren eng verbunden und koordinieren viele Workshops und Auftritte des Priesters in Deutschland. missio nimmt in der diesjährigen Kampagne zum Monat der Weltmission den Nordosten Indiens und die Situation der Christen dort in den Blick.

Nicht abgesagt sind die Auftritte des tanzenden Priesters am Samstag, 6. Juli, in der Münchner Luther-kirche sowie am Montag, 8. Juli, in der Münchner St. Anna Kirche.

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