1abadec7d8288d10142b3015e045e06d_w1170_h600_cp missio München - „Man kann Politik nicht betreiben, wenn man die Religionen ausspart“

„Im Jahr 2030 werden 90 Prozent der Weltbevölkerung ein religiöses Fundament haben, das für ihr Leben eine wichtige Rolle spielt. Etwas so Wichtiges kann ich aus dem gesellschaftlichen Leben nicht herausdividieren“, betont missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber in einem Interview für den gerade erschienenen Jahresbericht zur Arbeit des Internationalen Katholischen Missionswerks missio München im vergangenen Jahr. „Man kann Politik und gerade auch Entwicklungspolitik nicht betreiben, wenn man die Religionen ausspart.“

Generell sei es schwieriger geworden, den Grundauftrag der katholischen Kirche, über Nationalitäten und Glaubensrichtungen hinweg den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, zu erfüllen: „Das geht teilweise mit nationalen Interessen einher, aber auch damit, dass Extremisten innerhalb der Religionen an Fahrt gewinnen. Extremistische Konflikte haben nichts mit Religion zu tun. Im Gegenteil.“

Diesem Extremismus müssten sich Christen entgegenstellen, betont der missio-Präsident. „Auf meinen Reisen bin ich vielen Menschen begegnet, für die solche Anfeindungen tägliche Realitäten sind. In Indien, auf den Philippinen, in Syrien, im Irak. Alles Länder, in denen es für die Gläubigen auch darum geht, ein Zeugnis abzulegen. Ein solches unverbrüchliches Bekenntnis zum Glauben war ja auch der Ausgangspunkt für die Gründung von missio. Die ersten Missionare waren sich sicher: Ich gehe in die Welt, weil ich glaube, dass dieses Evangelium den Menschen einen Lebensgewinn bringt. Sie haben das getan in dem Wissen, dass sie sich in Gefahr bringen und wohl nie mehr zurückkehren werden. Heute müssen wir diesen Weg kontinuierlich weitergehen. Wir müssen uns als Christen in die Gesellschaft einbringen und keine Angst davor haben, dass auch wir, hier in Deutschland, in den nächsten Jahren angefeindet werden.“

Das wichtigste Mittel gegen Extremismus sei Begegnung, betont der missio-Präsident: „Wenn ich einem Menschen in die Augen geschaut habe, bin ich nicht mehr so leicht bereit, ihm kämpferisch zu begegnen. Sondern ihn zunächst einmal als Mensch, als Geschöpf Gottes wahrzunehmen und ihm diese Würde zukommen zu lassen. Eine der wichtigsten Aufgaben von missio ist es, echte Möglichkeiten für Begegnung und Austausch zu schaffen.“

Das komplette Interview lesen Sie im aktuellen missio-Jahresbericht.

Foto: missio München/Antje Pöhner

 

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