Jean Ziegler in Moria Lesbos; Foto: Pro Asyl

Angesichts der dramatischen Lage in den Flüchtlingszentren auf den griechischen Inseln hat sich der Schweizer Soziologe Jean Ziegler mit einem dringenden Appell an die Europäische Union gewandt: „Die Situation der Flüchtlinge ist schrecklich. Diese Lager müssen geschlossen werden. Fristlos. Wenn die Rechte vieler, vieler Tausend Menschen verletzt werden, dann spricht man von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die Europäische Union begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit.“

Jean Ziegler, bekannt als Buchautor und Globalisierungskritiker, äußerte sich in einem Interview mit der Zeitschrift „missio magazin“: Unabhängig davon, ob die Menschen eine Bleibeperspektive innerhalb der EU hätten, sei es laut Genfer Flüchtlingskonvention ein universelles Menschenrecht, zumindest ein Asylgesuch einzureichen, betont Ziegler. Doch von der Ankunft auf den griechischen Inseln bis zur ersten Asyl-Anhörung würden oft bis zu eineinhalb Jahre vergehen. „Das ist eine systematische Verweigerung des Asylrechts“, sagt Ziegler im Interview. Ziel der EU sei „eine reine Abschreckungspolitik. Sie lässt die Leute einfach schmoren und warten.“ Ziegler hält diese Politik für falsch: „Diese Strategie ist nicht nur moralisch verwerflich. Sie ist noch dazu politisch auch völlig wirkungslos.“ Denn bedrohte Familien in den Kriegs- und Krisengebieten Syriens und Afghanistans würden sich davon nicht von einer Flucht nach Europa abhalten lassen.

Jean Ziegler war im Mai 2019 mehrere Tage vor Ort im Aufnahmezentrum Moria auf der Insel Lesbos. Dort und in vier weiteren so genannten „Hot Spots“ auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos hoffen mehr als 20 000 Menschen (Stand: August 2019) aus Ländern wie Syrien, Afghanistan und Irak, aber auch aus afrikanischen Krisenstaaten wie Kongo und Eritrea darauf, dass sie auf das europäische Festland weiterreisen dürfen.

Mehr Informationen unter www.missiomagazin.de

Foto: Pro Asyl

 

­