845608859eede0d9227e2a4dc23baf25_w1170_h600_cp missio München - Nächstenliebe in der Wüste: Ein Militärpfarrer packt in Mali mit an

„Wann bringt ihr uns den Frieden?“ lautete die zentrale Frage in der Reportage aus Mali im missio magazin 5/2020. Jene handelte auch von der katholischen Schule von Gao, die beim Angriff der Islamisten schwer beschädigt wurde. Jetzt konnte vieles renoviert werden – auch mit Hilfe eines Pfarrers aus Bayern. Er war selbst vor Ort.

Plötzlich war die Gefahr ganz nahe. Damals, Ende Januar 2020, traf Militärpfarrer Werner Maria Hess im Militärlager von „Camp Castor“ in Mali seinen belgischen Priesterkollegen. Beim belgischen Kontingent der UNO-Mission hatte es einen Unfall gegeben, mehrere Soldaten waren schwer verletzt worden, als ihr Konvoi über eine Sprengfalle fuhr.

Jetzt war geistlicher Beistand nötig. Und auch auf der deutschen Seite fragte man sich: Was tun wir, wenn wir Tote und Verletzte zu beklagen haben?

Beistand für Soldaten und Menschen vor Ort

Sechs Monate lang betreute Werner Maria Hess die kleine Zeltkirche innerhalb der deutschen Militärbasis. Bevor er in den Dienst der Militärseelsorge trat, war Hess fast 25 Jahre Pfarrer von Otzing bei Plattling im Bistum Regensburg gewesen.

Als er nach Afrika ging, wollte er nicht nur den deutschen Soldaten, sondern auch den Menschen vor Ort beistehen.

Bald kam er in Kontakt mit der katholischen Gemeinde von Gao, die beim Angriff durch die Islamisten schwer getroffen worden war. Er fuhr mit einem bewaffneten Konvoi in die Stadt und sah die vielen Straßenkinder.

Pfarrer Hess steuert privates Geld bei

Schule in MaliDie Schule wird wieder aufgebaut Foto: Jörg BöthlingDass er an einigen Stellen helfen konnte, stimmt ihn froh. „Ich habe alles, was ich zum Leben brauche“, betont Pfarrer Hess, und deshalb hat er mit seinem privaten Geld zum Wiederaufbau der Schule beigetragen. Ein neues Dach für die Aula, technische Geräte wie ein Beamer und ein Keyboard und vieles mehr helfen mit, dass der Schulbetrieb weitergehen kann, trotz der immer noch hohen Terrorgefahr.

Ehrenamtliche Gemeindeleiter unter hohem Risiko

Gerne hätte er auch in der Kirche von Gao einen Gottesdienst gefeiert. „Aber das war aus Sicherheitsgründen nicht möglich.“ Bis heute gibt es in der Pfarrei keinen Priester. Die Gläubigen organisieren sich selbst – und nehmen hohe Risiken in Kauf. Einer der ehrenamtlichen Gemeindeleiter ist Elektriker. Weil er Christ ist, bleiben viele Kunden weg, aus Angst vor den Bedrohungen durch die Islamisten.

Prägende Monate

Pfarrer Hess denkt bis heute an die täglichen Lageberichte im „Camp Castor“ der Bundeswehr, mit den abendlichen Meldungen: „Dort wieder ein Dorf überfallen, Frauen vergewaltigt, Viehherden gestohlen.“ Umso mehr freut es ihn, dass er selbst ein Zeichen der Hoffnung setzen konnte: „Ich konnte als Christ zeigen, dass wir nicht nur unseren eigenen Leuten helfen.“

Hilfe auch in Uganda

Als der Auslandseinsatz im April 2020 zu Ende ging – zum Glück ohne Todesfall unter den Soldaten – besuchte Pfarrer Werner Hess sogar noch eine weitere Station in Afrika. Auf der Ostseite des Kontinents, in Uganda, fördert er einige Projekte in der Diözese Kasese, teilweise in Zusammenarbeit mit missio. Neben dem geplanten Kirchbau waren dort auch einige Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie notwendig – etwa der Kauf von Wasserkanistern zum regelmäßigen Händewaschen.

Zurück in Deutschland will Pfarrer Hess weiter für die Solidarität mit Afrika werben. „Trotz allem geht es uns ja immer noch so gut“, sagt er. Inzwischen hat sich auch der Leiter der Schule von Gao, David Doyoun, gemeldet. „Wir werden Herrn Pfarrer Hess auf ewig dankbar sein“, schreibt er.

Text: CHRISTIAN SELBHERR

missio-magazin-Reporter Christian Selbherr und Fotograf Jörg Böthling waren 2020 in Mali und besuchten dort unter anderem Bundeswehrsoldaten, die dem krisengebeutelten Land Stabilität bringen sollen. Ihre Reportage finden Sie hier.

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