3ed484a8e6bcad820bc03321e52eb544_w1170_h600_cp missio München - Pionierin im Dienst der Benachteiligten

Das Volk der Khasi lebt in den Bergregionen Nordostindiens - unter widrigen Lebensumständen. Schwester Cecilia Sad gibt den Menschen Perspektiven: Dort, in Mitten der Mesnchentraube ist sie zu finden.Wenn Schwester Cecilia Sad heute ein Khasi-Dorf besucht, drängen sich Kinder und Erwachsene um sie. Alle wollen ihr die Hand schütteln. In den entlegenen Bergdörfern des nordostindischen Bundesstaates Meghalaya, wo das Volk der Khasi lebt, ist sie weithin bekannt.

Seit Jahren steht Schwester Cecilia den Menschen bei ihrer größten Herausforderung bei: Die Khasi kämpfen um bessere Lebensumstände am Rande der indischen Gesellschaft. "Die Menschen kennen keine Alternativen", sagt Schwester Cecilia angesichts der schwierigen Versorgungslage vor Ort. Denn noch immer sind manche Khasi-Dörfer nur in einem mehrstündigen Fußmarsch und unter großen Strapazen zu erreichen. Für Schwangere oder Kranke in den Dörfern droht im Notfall jegliche Hilfe zu spät zu kommen.

In den Städten aber wären viele verloren, fürchtet die Ordensschwester: "Sie machen sich keine Sorgen um den nächsten Tag, verfolgen keine Pläne, kennen keine Strategien, um Geld beispielsweise für gesundes Essen zu sparen." Schwester Cecilia Sad und die "Visitation Sisters of Don Bosco" (VSDB) sind selbst Khasi-Frauen. Sie kennen die Lebensumstände in den Bergen aus eigener Erfahrung. Deshalb besuchen sie die Menschen in den Dörfern und leben für einige Zeit in deren Familien. Sie bringen den Dorfbewohnern das Evangelium nahe, hören ihre Probleme, bilden Frauen in erster Hilfe aus, geben Ratschläge in Hygiene und Ernährung und stärken das Selbstbewusstsein der Gemeinschaft. Außerdem unterrichten sie in den Pfarreischulen, die sich meist unweit ihrer Missionszentren in den Bergen befinden.

Heute sind die Schotterwege mit Jeeps befahrbar

In vielen Familien muss das Bewusstsein für den Wert von Bildung aber erst entstehen. "Die Menschen leben von der Hand in den Mund", sagt Schwester Cecilia, "deshalb sprechen wir mit ihnen neben unserer pastoralen Arbeit auch über ganz praktische Dinge, etwa wie sie Landwirtschaft nachhaltig betreiben können." Schwester Cecilia geht all dem als Pionierin voraus. Vor mehr als 30 Jahren gehörte sie zu den ersten ihrer Ordensgemeinschaft, die sich als sogenannte "Touring Sisters" zu Fuß auf den Weg in die Dörfer machten und eine Infrastruktur aufbauten, von der Schwestern wie Dorfbewohner heute profitieren.

Mittlerweile führen sogar Schotterwege für Jeeps hinauf in die Dörfer. Schwester Cecilia nennt sie liebevoll "VSDB National Highways". Nach zwölf Jahren als Generaloberin ihrer Ordensgemeinschaft kümmert sich Schwester Cecilia heute um administrative Aufgaben im Generalat in Shillong und um die Novizinnenausbildung. Junge Schwestern werden dringend gebraucht. In die Dörfer kehrt sie trotzdem immer gerne zurück. An den Wochenenden gibt sie dort Kurse in Bewusstseinsbildung. Der Austausch mit den Menschen bedeutet ihr am meisten. Und die Menschen danken es ihr.

Text: Sophie Kratzer
Foto: Friedrich Stark

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