Weltgebetstag für die Kirche in China 2020; Foto: Jörg Böthling

Zum Weltgebetstag für die Kirche in China (24. Mai) blickt missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber mit Sorge auf die Situation der Christen. „Die Tatsache, dass mit dem ersten Tag, an dem die Corona-Maßnahmen gelockert wurden, an einigen Orten wieder Kreuze von Kirchen­dächern gerissen wurden, ist bezeichnend. Während es in den letzten Jahrzehnten Grauzonen gab, in denen sich religiöses Leben entfalten konnte, versucht die amtierende Regierung unter Staatspräsident Xi Jinping sämtliche Bereiche der Zivilgesellschaft, einschließlich der Religion, zu kontrollieren“, mahnt Huber, der zugleich Vorsitzender des China-Zentrums in Sankt Augustin ist.

Seit den 1950er Jahren verfolgt die chinesische Führung das Ziel, eine von Rom unabhängige chinesische Kirche aufzubauen, und hat immer wieder vom Papst nicht autorisierte Bischofsweihen erzwungen. Im September 2018 haben der Heilige Stuhl und die VR China ein vorläufiges Abkommen über Bischofsernen­nungen unterzeichnet. „Die Situation der katholischen Kirche und der Religionen im Land hat sich seit­her jedoch nicht verbessert“, sagt Katharina Wenzel-Teuber, Sinologin und Chefredakteurin der vom China-Zentrum herausgegebenen Zeitschrift „China heute“. „Der Druck auf den Klerus der katholischen Untergrundkirche, sich zu registrieren und Erklärungen zur Unabhängigkeit vom Vatikan zu unterzeichnen, wächst. Die Bevölkerung wird ermutigt, nichtgenehmigte Zusammenkünfte und Aktivitäten anzuzeigen. Auch in offiziell registrierten Kirchen sind immer mehr Überwachungskameras mit Gesichtserkennung angebracht.“

Zwar gibt es aktuell gewisse Freiheiten in Bezug auf die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel, die Kirchen selbst sind jedoch seit dem Lockdown geschlossen, auch für das private Gebet. Während viele Bereiche des öffentlichen Lebens zur Normalität zurückgekehrt sind, ist für die Religionen noch keine Öffnung in Sicht. „Das Glaubensleben hat sich zum großen Teil ins Internet verlagert. Die pastorale Betreuung, Teilnahme an Gebetsgruppen und der Besuch von Messen – selbst aus dem Ausland – ist momentan auf diesem Weg möglich. Es ist jedoch davon auszugehen, dass religiöse Aktivitäten im Netz künftig strenger gehandhabt werden“, so die Einschätzung von Wenzel-Teuber. Bereits seit geraumer Zeit gibt es Bestrebungen, die digitale Verbreitung des Glaubens stärker zu reglementieren.

Angesichts der anhaltend schwierigen Lage bittet Monsignore Huber darum, für und mit den Christen in China zu beten. Anregungen finden Sie unter: www.china-zentrum.de -> Weltgebetstag.

 

Foto: missio München/Jörg Böthling

 

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