Rückkehr der Christen in die Ninive-Ebene. Foto: Fritz Stark

Anlässlich des Stephanus-Tages am 26. Dezember 2018 zum Gedenken an verfolgte Christen mahnt missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber, die brisante Lage der Christen und anderer Minderheiten im Nahen Osten nicht aus dem Blick zu verlieren: „Krieg und islamistischer Terror haben hunderttausende Christen aus dem Nahen Osten vertrieben. Allein im Irak ist die Zahl der Christen dramatisch gesunken. Während vor 15 Jahren etwa zwei Millionen Christen im Irak lebten, sind es heute etwa 300.000, also weniger als ein Prozent der Bevölkerung.“

Dringender denn je benötigen irakische Christen und andere Minderheiten Unterstützung, um sich in ihrer Heimat wieder eine Zukunft aufbauen zu können. Im Irak fördert missio München aktuell den Wiederaufbau in der Ninive-Ebene. Ein weiterer Schwerpunkt ist die psychologische Betreuung der Gewaltopfer des Islamischen Staats (IS) – Christen und Jesiden – die teils Unsägliches erlitten haben.

Wieso der Mensch überhaupt in der Lage sei, anderen Gewalt anzutun und warum so grausame Ideologien wie die des IS Anhänger finden, erklärt Traumatherapeut und Psychologe Prof. Jan Ilhan Kizilhan im aktuellen missio magazin: „Der Islamische Staat hat die Christen, zum Teil auch die Schiiten und die Jesiden, als Ungläubige deklariert, und damit gesagt: ,Das sind keine Menschen und deswegen haben wir das Recht, sie zu versklaven und zu töten‘.“ Kizilhan, der selbst aus einer kurdisch-jesidischen Familie stammt und heute in Deutschland Überlebende aus Konfliktregionen wie dem Irak betreut, betont, dass totalitäre Ideologien die angeborene Empathie eines Menschen so kontrollieren könnten, dass man für sein Gegenüber keine Empfindungen mehr habe.

Trotz schlimmster Erfahrungen sei es für Menschen aber möglich, wieder Kraft für ihr Leben zu schöpfen, betont Professor Kizilhan: „Es ist tatsächlich so, wenn ich mich mit Opfern beschäftige und Überlebende des Krieges behandle, sei es zuletzt beim IS, aber auch andere aus Tschetschenien oder Bosnien, dann sehe ich, welche unglaubliche innere Widerstandskraft sie haben. Trotz dieser Dinge, die sie erlebt haben, zu sagen: Ich kämpfe weiter und ich will überleben! Das ist die andere Seite, die die Menschheit prägt.“

„Diese Hoffnung und Kraft im Menschen wieder aufkeimen zu lassen und zu stärken, ist für missio ureigene Aufgabe, die uns das Evangelium zugrunde legt“, betont missio-Präsident Huber.

12 13 nachgefragtLesen Sie hier das komplette missio-magazin-Interview mit Professor Jan Ilhan Kizilhan. 

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