Krankenhaus im Senegal - Jörg Böthling

Afrika muss zwar nicht befürchten als Versuchsfeld für neue Corona-Impfstoffe missbraucht zu werden, gerecht wird die globale Verteilung von Impfstoffen auch nicht ablaufen. Diese ernüchternde Prognose stellt der Münchener Tropenarzt Dr. Günter Fröschl im Hinblick auf die künftige Entwicklung der weltweiten Pandemie.

Zwar gebe es Pläne, dass Gesundheitspersonal, Menschen in Schlüsselberufen und Risikopatienten bei einer Impfung bevorzugt würden. „Wie das aber zwischen verschiedenen Ländern aussieht? Ob man es schafft und sagt: Das Risiko ist in Italien höher als in Deutschland, also sorgen wir dafür, dass Italien eine Priorisierung erhält? Da habe ich große Zweifel. Da sind dann doch zu sehr die marktwirtschaftlichen und politischen Interessen im Vordergrund“, sagt der am Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität forschende Mediziner im Interview mit dem „missio magazin“, das beim Internationalen Katholischen Hilfswerk missio München erscheint.

"Afrika kein Versuchslabor für europäische Impftests"

11 2020 froeschl kopfbildFröschl weist den weit verbreiteten Vorwurf zurück, dass Afrika nur als Versuchslabor für europäische Impftests dienen werde: „Das ist eine überkommene Vorstellung, die zu früheren Zeiten sicher ihre Berechtigung hatte. Häufig ist es heutzutage fast noch schwieriger, in afrikanischen Ländern medizinische Studien durchzuführen, weil ja tatsächlich die Befürchtung da ist, dass Afrikaner postkolonial als Versuchskaninchen dienen und der Benefit dann in Europa landet.“

Zweifel an niedrigen Corona-Zahlen in Afrika

Die aus afrikanischen Ländern gemeldeten niedrigen Infektionszahlen hält Günther Fröschl für unrealistisch. „Man muss sich die Zahlen erst einmal ganz genau ansehen“, mahnt der Tropenarzt. Im Hinblick auf die Situation in Afrika sei es durchaus möglich, dass in Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik eine junge Bevölkerung, dünne Besiedlung und schwache Infrastruktur die Anzahl der Ansteckungen und Todesfälle niedrig hielten. Das könne durchaus zu einer langsamen Ausbreitung des Virus führen.

Erschwerend kommen gewalttätige Konflikte hinzu

Allerdings ist Mediziner Fröschl gegenüber den offiziellen Corona-Zahlen aus Afrika dennoch skeptisch. Die Testkapazitäten seien in den meisten Ländern sehr begrenzt und die medizinische Versorgung unzureichend. Wie viele der zahlreichen krankheitsbedingten Todesfälle auf Corona zurückzuführen sind, sei schwer zu sagen. Kämen noch politische Instabilität oder gewalttätige Konflikte hinzu, wie beispielsweise im Kongo, sei die Situation endgültig nicht mehr einschätzbar: „In der Region Kivu herrscht langjährig Bürgerkrieg – da glaube ich keiner einzigen Zahl, die aus der Gegend kommt.“

Das Gespräch von Christian Selbherr mit Dr. Günther Fröschl wurde im missio magazin 6/2020 veröffentlicht. Sie können es im pdf hier lesen.

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